Le Collectif Bohème

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Der ursprünglichen Definition des Begriffes „Kollektiv“ folgend, ist das Collectif Bohème ein legeres Ensemble von Künstlern, deren Ansinnen es ist, gemeinsam Kunst abseits des Gewöhnlichen zu kreieren.

Es sind jene Sonderlinge, deren Philosophie es unter allen Umständen strikt ablehnt, ohne künstlerischen Antrieb zu produzieren und ihre Kunst zum Gewerbe zu erniedrigen, mit denen wir uns verbunden sehen.
Seit der Romantik nennen sich diese Künstler mit unbürgerlichem Selbstverständnis „Bohèmien“.


„Ein Bohèmien ist ein Mensch, der aus der großen Verzweiflung heraus, mit der Masse der Mitmenschen innerlich nie Fühlung gewinnen zu können – und diese Verzweiflung ist die eigentlichste Künstlernot – , drauf losgeht ins Leben, mit dem Zufall experimentiert, mit dem Augenblick Fangball spielt und der allzeit gegenwärtigen Ewigkeit sich verschwistert.“*


Die Bohème zeichnet sich durch ihren absoluten Individualismus aus, der sich mit dem Willen zur Abweichung als solcher und ohne Scheu vor provokatorischer Wirkung von Konventionen der Lebensführung und des ästhetischen, moralischen oder politischen Urteils emanzipiert.

Das Collectif Bohème stellt die Kunst als einzig relevantes Prinzip in den Mittelpunkt seines Wirkens und erhebt sie so natürlicherweise zu seiner „raison d’être“.


„Was in Wahrheit den Bohèmien ausmacht, ist die radikale Skepsis in der Weltbetrachtung, die gründliche Negation aller konventionellen Werte, das nihilistische Temperament, wie es etwa in Turgenjeffs „Väter und Söhne“ zum Ausdruck kommt, und wie es Peter Krapotkin als Charakteristikum der russischen Nihilisten in den „Memoiren eines Revolutionärs“ schildert.“*


So blickt uns denn der Zeitgeist kritisch ins Auge und wir blinzeln nonchalant zurück, ein herausforderndes Lächeln auf den Lippen und eine phantastische Realität im Kopf. Ungezähmte Geister ersinnen neue Welten und erlauben es dem Connaisseur, sich von ihnen verzaubern zu lassen.

Le Collectif Bohème wünscht viel Vergnügen!


* Zitat Erich Mühsam

Quelle: „Bohême“(Erich Mühsam) , veröffentlicht in „Die Fackel“, Jg.8, Nr.202, 30.04.1906